Was ist Beihilfe – und warum ändert das alles?
Beamte erhalten von ihrem Dienstherrn – also vom Bund oder vom jeweiligen Bundesland – einen Zuschuss zu ihren Krankheitskosten. Dieser Zuschuss heißt Beihilfe. Er wird nicht monatlich ausgezahlt, sondern nach Einreichung von Arzt- und Krankenhausrechnungen erstattet.
Der entscheidende Punkt: Sie müssen nicht Ihren gesamten Krankenversicherungsbeitrag selbst aufbringen, sondern nur den Anteil, der über die Beihilfe hinausgeht. Wenn die Beihilfe 50 % Ihrer Kosten trägt, müssen Sie privat nur die anderen 50 % versichern. Das nennt sich Restkostenversicherung oder Beihilfeergänzungstarif – und der ist deutlich günstiger als ein normaler PKV-Vollversicherungstarif.
Beihilfesatz 50 %: Dienstherr zahlt 200 €, PKV-Tarif zahlt 200 €. Sie zahlen: 0 €.
Beihilfesatz 70 % (z. B. ab 2 Kindern): Dienstherr zahlt 280 €, PKV-Tarif zahlt 120 €. Sie zahlen: 0 €.
Wer sich stattdessen freiwillig in der GKV versichert, zahlt zwar auch nur einen Beitrag – aber erhält keine Beihilfe. Der Dienstherr übernimmt in diesem Fall nichts. Das macht die GKV für die meisten Beamten deutlich teurer und leistungsschwächer als die PKV-Kombination.
Beihilfesätze nach Familienstand und Bundesland (2025)
Die Höhe der Beihilfe ist nicht einheitlich. Sie hängt ab von Ihrem Bundesland, Ihrem Familienstand, der Zahl Ihrer Kinder und davon, ob Sie bereits im Ruhestand sind. Die folgende Übersicht zeigt die verbreitesten Grundregelungen – verbindliche Auskunft gibt Ihr Landesamt für Besoldung und Versorgung.
| Situation | Typischer Beihilfesatz | Gilt u.a. für |
|---|---|---|
| Ledig, keine Kinder, aktiver Dienst | 50 % | Bundesbeamte, TH, BY, BW, NRW (Grundregel) |
| Verheiratet, Partner ohne Einkommen | 50–70 % | Variiert je nach Landesrecht |
| Ab 2 kindergeldberechtigte Kinder | 70 % | Bundesbeamte, BY, BW, NRW, TH u.v.m. |
| Ruhestand (Pensionäre) | 70 % | Bundesweit üblich |
| Schwerbehinderte Beamte | Sonderregelung | Bitte Dienstherr anfragen |
* Regelungen variieren. Letzte Gewissheit gibt immer Ihr Dienstherr. Stand: Februar 2025.
Viele Beamte wissen nicht, dass ihr Beihilfesatz im Ruhestand auf 70 % steigt – auch wenn er im aktiven Dienst bei 50 % lag. Das kann dazu führen, dass Ihr PKV-Tarif dann nicht mehr korrekt passt und Sie für 20 % doppelt versichert sind. Prüfen Sie beim Vertragsabschluss, ob Ihr Tarif eine entsprechende Anpassungsoption enthält.
Den richtigen Tarif wählen: Worauf es ankommt
Der häufigste Fehler bei der PKV-Wahl für Beamte: ein Tarif, der nicht zum eigenen Beihilfesatz passt. Wer mit 50 % Beihilfe einen Vollversicherungstarif (also für 0 % Beihilfe) abschließt, zahlt für Leistungen, die der Dienstherr sowieso übernimmt – doppelt. Wer hingegen einen 70 %-Ergänzungstarif bei 50 % Beihilfe abschließt, hat eine 20 %-Lücke.
Die wichtigsten Tarifmerkmale für Beamte
- Beihilfekonformität: Der Tarif muss explizit als Beihilfeergänzungstarif für Ihren Beihilfesatz ausgewiesen sein.
- Stationäre Behandlung: Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer sind für die meisten Beamten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Einzelzimmer ist nur dann sinnvoll, wenn Sie selten ins Krankenhaus kommen und der Aufpreis gering ist.
- Ambulante Leistungen: Prüfen Sie, ob Naturheilkunde, Sehhilfen und Heilmittel (Physiotherapie, Ergotherapie) abgedeckt sind.
- Zahnleistungen: Die Beihilfe übernimmt einen Teil der Zahnkosten. Prüfen Sie, ob Ihr Tarif den Rest (inkl. Zahnersatz) sinnvoll ergänzt.
- Anpassungsoptionen: Ihr Tarif sollte eine Option enthalten, den Beihilfesatz anzupassen – für den Fall, dass Sie heiraten, Kinder bekommen oder in den Ruhestand treten.
- Beitragsrückerstattung: Manche Tarife zahlen einen Teil des Beitrags zurück, wenn Sie im Jahr keine Leistungen in Anspruch genommen haben. Für gesunde Beamte kann das attraktiv sein.
| Merkmal | Basistaarif | Standardtarif | Komforttarif |
|---|---|---|---|
| Chefarztbehandlung stationär | Nein | Ja | Ja |
| Zweibettzimmer Krankenhaus | Nein | Ja | Ja |
| Einzelzimmer Krankenhaus | Nein | Nein | Ja |
| Naturheilkunde ambulant | Nein | Begrenzt | Ja |
| Sehhilfen / Brillengläser | Begrenzt | Ja | Ja |
| Anpassungsoption Beihilfesatz | Ja | Ja | Ja |
| Typischer Monatsbeitrag (30 J., 50 % BH) | 80–110 € | 110–160 € | 150–220 € |
Was kostet die PKV für Beamte wirklich?
Konkrete Beispiele helfen mehr als Durchschnittswerte. Alle folgenden Zahlen sind realistische Schätzungen auf Basis aktueller Marktangebote (Stand: Februar 2025). Der tatsächliche Beitrag hängt von Gesundheit, gewähltem Anbieter und Selbstbehalt ab.
| Profil | Beihilfesatz | Tarif | Monatsbeitrag (ca.) |
|---|---|---|---|
| 28 Jahre, ledig, gesund | 50 % | Standard (Chefarzt, 2-Bett) | 100–140 € |
| 35 Jahre, 2 Kinder | 70 % | Standard | 65–100 € |
| 45 Jahre, ledig, gesund | 50 % | Standard | 150–210 € |
| 55 Jahre, im Dienst | 50 % | Basis | 130–190 € |
| Pensionär, 67 Jahre | 70 % | Standard | 220–310 € |
* Schätzwerte. Kein Vertrag enthält garantierte Beiträge für die Zukunft – kalkulieren Sie Beitragssteigerungen ein.
Die fünf häufigsten Fehler von Beamten bei der PKV-Wahl
- Falscher Beihilfesatz im Tarif: Tarif passt nicht zum Beihilfesatz des Dienstherrn → Lücken oder Doppelversicherung.
- Keine Anpassungsoption: Familienstand oder Kinderzahl ändert sich, Beihilfesatz steigt, Tarif lässt sich nicht anpassen → unnötig hohe Beiträge.
- Nur auf den Einstiegsbeitrag schauen: Rabatte im ersten Jahr verdecken den langfristigen Beitrag – fragen Sie nach dem kalkulierten Beitrag ohne Rabatt.
- Vorerkrankungen verschweigen: Bei der PKV gibt es eine Gesundheitsprüfung. Nicht angegebene Vorerkrankungen können im Leistungsfall zur Erstattungsverweigerung führen.
- GKV-Option nicht bedacht: Einige Beamte wechseln später in Angestelltenverhältnisse (z. B. nach Abberufung). Dann ist die Rückkehr in die GKV möglicherweise schwierig oder teuer.
PKV für Beamte in Thüringen – regionale Besonderheiten
Thüringer Beamte fallen unter das Thüringer Beihilfegesetz (ThürBhV). Für aktive Beamte gilt in der Regel ein Beihilfesatz von 50 Prozent, ab dem dritten Kind steigt er auf 70 Prozent. Für Beamte im Ruhestand gilt ebenfalls 70 Prozent.
Besonderheit in Thüringen: Beim Freistaat Thüringen sind die Beihilfeformulare und -stellen dezentral organisiert – je nach Dienststelle gelten unterschiedliche Antragsfristen. Lassen Sie sich von Ihrem Sachbearbeiter oder direkt vom Thüringer Landesverwaltungsamt (Erfurt) beraten, welche Belege wann einzureichen sind.
Wir bieten PKV-Beratung aus Westgreußen im Kyffhäuserkreis – mit Fokus auf Thüringen, aber vollständig bundesweit tätig. Beamte aus Erfurt, Gera, Jena, Nordhausen und dem gesamten Freistaat finden bei uns einen kompetenten Ansprechpartner.
Fragen Sie beim Thüringer Landesverwaltungsamt (Weimarplatz 4, 99423 Weimar, Tel.: 0361 3773-0) nach Ihrem konkreten Beihilfesatz, bevor Sie einen PKV-Tarif abschließen. Die schriftliche Bestätigung schützt Sie vor bösen Überraschungen.
Häufige Fragen – PKV für Beamte
Müssen Beamte privat krankenversichert sein?
Nein. Beamte können sich freiwillig in der GKV versichern. Dann erhalten sie keine Beihilfe, müssen aber auch keine PKV-Gesundheitsprüfung bestehen. Für die meisten Beamten ist die PKV mit Beihilfeergänzung jedoch die günstigere und leistungsstärkere Option.
Was passiert bei Krankschreibung – zahlt die PKV?
Beamte erhalten im Krankheitsfall in der Regel Dienstbezüge weiter (Beamtenrecht). Krankentagegeld ist für aktive Beamte daher normalerweise nicht erforderlich. Wer jedoch in einem atypischen Beamtenverhältnis ist oder selbstständige Nebentätigkeiten ausübt, sollte das individuell prüfen.
Wie verhalten sich PKV und Beihilfe bei Auslandsreisen?
Die Beihilfe gilt grundsätzlich auch im Ausland, ist aber an bestimmte Formvorschriften geknüpft (z. B. Originalrechnungen in Deutsch oder mit beglaubigter Übersetzung). Viele PKV-Tarife bieten zudem eine Auslandsreisekrankenversicherung als Zusatzbaustein an – prüfen Sie, ob das in Ihrem Tarif enthalten ist.
Kann ich als Beamter auch einen PKV-Tarif ohne Chefarztbehandlung wählen?
Ja. Ein reiner Basisergänzungstarif ohne Chefarzt und Mehrbettzimmer ist möglich und deutlich günstiger. Ob das sinnvoll ist, hängt von Ihren Prioritäten ab. Manche Beamten wählen bewusst einen günstigeren Tarif und zahlen Chefarzthonorar bei Bedarf selbst.
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