PKV für Ärzte: Vier verschiedene Ausgangssituationen
Die medizinische Karriere verläuft in klar unterschiedlichen Phasen, die jeweils andere Anforderungen an die Krankenversicherung stellen. Ein Assistenzarzt im ersten Jahr steht vor anderen Fragen als ein niedergelassener Facharzt mit 20 Jahren Praxiserfahrung.
Assistenzarzt (Weiterbildung)
Meist angestellt, Gehalt oft knapp über oder unter 77.400 €/Jahr. PKV-Einstieg früh empfehlenswert – solange jung und gesund. Arbeitgeberzuschuss bis 434 €/Monat.
Facharzt / Oberarzt
Deutlich über der Versicherungspflichtgrenze, oft schon länger in der PKV. Jetzt gilt es, den Tarif zu optimieren – besonders Selbstbehalt und Altersrückstellungen.
Niedergelassener Arzt / Praxisinhaber
Selbstständig – kein Arbeitgeberzuschuss mehr. Gesamtbeitrag liegt jetzt bei Ihnen. Einkommensschwankungen, Praxisgründungskosten und Krankentagegeld werden kritisch.
Verbeamteter Hochschularzt / Universitätsprofessor
W2/W3-Professoren mit Beamtenstatus: Beihilfeanspruch 50–70 %. Deutlich günstigerer Beihilfeergänzungstarif möglich – ähnlich wie für alle Beamten.
Der Chefarzt-Irrtum – was PKV-Ärzte als Patient wirklich erhalten
Einer der häufigsten Irrtümer in der Diskussion um die PKV für Ärzte: „Als Arzt weiß ich, wie die Behandlung wirklich ist – ob ich Chefarzt-Option habe oder nicht."
Das stimmt – und stimmt nicht. Was die Chefarzt-Option tatsächlich bringt: Sie haben das vertragliche Recht, vom leitenden Arzt der Abteilung persönlich behandelt zu werden. Das bedeutet nicht zwingend eine bessere medizinische Versorgung, aber es bedeutet Kontinuität und in vielen Häusern auch kürzere Wartezeiten auf bestimmte Eingriffe.
Was viele Ärzte wissen: Kollegialer Kontakt und professionelles Netzwerk ersetzen in der Praxis oft diese Formalität. Was weniger bekannt ist: Wer keine Chefarzt-Option im Tarif hat, kann diese dennoch privat vereinbaren und bezahlen – aber dann auf eigene Kosten. Mit Chefarzt-Option in der PKV übernimmt der Versicherer die Abrechnung nach GOÄ direkt.
Als Arzt sind Sie selbst PKV-Experte auf der Behandlerseite. Das bedeutet: Sie kennen die Unterschiede zwischen Kassenpatient und Privatpatient aus der Praxis. Die Frage, ob Sie als Patient selbst PKV-versichert sein wollen, hat also auch eine kollegiale und praktische Dimension – nicht nur eine finanzielle.
PKV als Assistenzarzt: Wann einsteigen?
Der Assistenzarzt-Zeitraum ist aus Sicht der PKV besonders interessant – und besonders riskant zu verpassen. Warum? Weil die PKV auf Risikobasis kalkuliert: Wer jung und gesund in die PKV einsteigt, erhält dauerhaft günstigere Beiträge als jemand, der mit 40 nach 15 Jahren in der GKV wechseln will.
Viele Assistenzärzte zögern, weil ihr Einstiegsgehalt – je nach Klinik und Bundesland – im ersten Jahr nur knapp über der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro liegt oder diese sogar unterschreitet. In diesem Fall ist die PKV zunächst keine Option als Pflichtmitglied, aber eine freiwillige Weiterversicherung ist unter bestimmten Bedingungen möglich.
Das Grundgehalt für Assistenzärzte beträgt je nach Tarifvertrag (TV-Ärzte/VKA oder TV-Ärzte/TdL) meist 55.000–70.000 Euro brutto im ersten Jahr. Mit Bereitschaftsdienst-Zuschlägen, Nacht- und Wochenenddiensten kann das Einkommen die Grenze überschreiten. Entscheidend ist das Jahreseinkommen inklusive aller Zuschläge. Lassen Sie sich eine Einkommensbescheinigung von Ihrem Arbeitgeber ausstellen.
PKV bei Niederlassung und Praxisgründung
Der Schritt in die Selbstständigkeit ändert die PKV-Situation grundlegend. Als niedergelassener Arzt oder Zahnarzt mit eigener Praxis:
- Kein Arbeitgeberzuschuss mehr: Den PKV-Beitrag zahlen Sie vollständig selbst. Das erhöht den effektiven Beitrag oft um 200–400 Euro monatlich gegenüber der Angestelltenzeit.
- Krankentagegeld wird kritisch: Bei Krankheit oder Unfall fehlen Ihnen nicht nur die Einnahmen aus der Praxis – Sie zahlen weiter Praxismiete, Personalkosten und PKV-Beitrag. Krankentagegeld ab dem ersten Krankheitstag oder spätestens ab dem dritten ist für niedergelassene Ärzte elementar.
- Einkommensschwankungen: Praxisgründungen laufen nicht immer sofort profitabel. Prüfen Sie, ob Ihr PKV-Beitrag auch in einem umsatzschwachen Jahr finanzierbar bleibt.
- Berufsunfähigkeitsversicherung: Die PKV deckt Krankheitskosten ab, nicht aber den Verdienstausfall bei dauerhafter Berufsunfähigkeit. Eine separate BU-Versicherung ist für Ärzte mit dem körperlichen und psychischen Anspruch des Berufs dringend empfehlenswert.
Besonderheiten für Zahnärzte
Zahnärzte sind in der PKV in einer besonderen Situation – und zwar aus einem überraschenden Grund: Die Zahnleistungen in der PKV sind für Zahnärzte oft besonders wertvoll.
Als Zahnarzt wissen Sie, was gute Zahnversorgung kostet – und was die gesetzliche Krankenkasse davon abdeckt (wenig). Wer einen guten Zahnersatz-Tarif in seiner PKV hat, profitiert also direkt von besserer eigener Versorgung. Gleichzeitig können Zahnärzte die GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte) für ihre eigene Behandlung voll ausschöpfen, was im Tarif mitberücksichtigt werden sollte.
Beihilfe für Hochschulärzte und Universitätsprofessoren
Ein Sonderfall, den viele vergessen: Ärzte, die an einer Universität verbeamtet sind – also W2- und W3-Professoren mit medizinischen Fächern – haben denselben Beihilfeanspruch wie andere Beamte. Das bedeutet: 50 % der Krankheitskosten übernimmt der Dienstherr (das Bundesland bzw. der Bund), 70 % im Ruhestand.
Für diese Gruppe gilt dasselbe wie für andere Beamte: Ein Beihilfeergänzungstarif ist deutlich günstiger als ein normaler PKV-Vollversicherungstarif. Ein verbeamteter Professor mit 50 % Beihilfe zahlt für einen soliden Ergänzungstarif realistisch 130–220 Euro monatlich – statt 500–700 Euro für einen Vollversicherungstarif.
Realistische PKV-Kosten für Ärzte – Beispielrechnung 2026
| Profil | Tarif | Bruttobeitrag/Monat | Arbeitgeberzuschuss | Eigenanteil ca. |
|---|---|---|---|---|
| Assistenzarzt, 28 J., gesund, angestellt | Standard (Chefarzt, Einzelzimmer) | 300–420 € | bis 434 € | 0–0 € (AG trägt Großteil) |
| Oberarzt, 38 J., gesund, angestellt | Standard mit Selbstbehalt 600 € | 350–480 € | bis 434 € | 0–60 € |
| Niedergelassener Arzt, 42 J., selbstständig | Standard ohne Selbstbehalt | 480–650 € | Kein Zuschuss | 480–650 € (voll selbst) |
| Zahnarzt, 35 J., Praxisinhaber | Komfort (inkl. Zahnersatz 90%) | 500–700 € | Kein Zuschuss | 500–700 € (voll selbst) |
| Universitätsprofessor (W2), 45 J., verbeamtet | Beihilfeergänzung 50 % | 140–220 € | Beihilfe 50 % | 140–220 € |
* Orientierungswerte. Tatsächliche Beiträge abhängig von Gesundheitszustand, Anbieter, Selbstbehalt. Stand: Februar 2026.
Checkliste: Das sollten Ärzte vor dem PKV-Abschluss klären
- Eigenes Jahreseinkommen inklusive aller Zuschläge ermitteln (über 77.400 €?)
- Beschäftigungsform klären: Angestellt oder selbstständig? Beamter?
- Bei Verbeamtung: Beihilfesatz schriftlich bestätigen lassen
- Gesundheitszustand prüfen: Anonyme Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen
- Krankentagegeld-Bedarf kalkulieren (besonders bei Niederlassung)
- Tarif auf Änderungsoptionen prüfen (Niederlassung, Kinder, Ruhestand)
- Zahnleistungen: Welcher Prozentsatz für Zahnersatz ist im Tarif enthalten?
- Langfristige Beitragsentwicklung anfragen (nicht nur Einstiegsbeitrag)
- Wechseloptionen für spätere Karriereschritte überprüfen
PKV für Ärzte in Thüringen
Thüringen verfügt über mehrere bedeutende medizinische Standorte: das Universitätsklinikum Jena (UKJ), das HELIOS Klinikum Erfurt, das SRH Zentralklinikum Suhl und zahlreiche Kreiskrankenhäuser sowie niedergelassene Praxen. Wir begleiten Mediziner aus dem gesamten Freistaat – von Erfurt über Jena und Gera bis in den Kyffhäuserkreis – bei der PKV-Wahl.
Unser Service ist kostenlos. Unsere lizenzierten Partner kennen die spezifischen Tarifanforderungen für Ärzte und Zahnärzte und begleiten Sie von der ersten Einschätzung bis zum fertigen Angebot.
Häufige Fragen – PKV für Ärzte
Welcher PKV-Anbieter ist besonders gut für Ärzte?
Es gibt keine pauschale Antwort – die Tarifqualität und der Beitrag variieren stark nach Alter, Gesundheitszustand und gewünschten Leistungen. Was für einen 28-jährigen Assistenzarzt optimal ist, kann für einen 45-jährigen Praxisinhaber ungeeignet sein. Lassen Sie sich von einem lizenzierten Vermittler mindestens drei Anbieter vergleichen.
Kann ich als Arzt die PKV-Beiträge günstiger gestalten?
Ja – der effektivste Hebel ist der Selbstbehalt. Ein jährlicher Eigenanteil von 600–1.800 Euro senkt den Monatsbeitrag erheblich. Für Ärzte mit stabilem Einkommen und dem Wissen über Gesundheitsversorgung ist ein hoher Selbstbehalt oft sinnvoll. Beitragsrückerstattungen bei Leistungsfreiheit sind ein weiterer Ansatz.
Muss ich als PKV-Patient andere Ärzte bevorzugen?
Nein – die Wahl des Arztes ist frei. Als PKV-Versicherter können Sie direkt zum Facharzt gehen, ohne Überweisung. Eine formale Bevorzugung bestimmter Ärzte durch die Kassenzugehörigkeit gibt es nicht; allerdings wird in einigen Praxen und Kliniken der administrative Aufwand für Privatpatienten höher priorisiert.
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